Voraus schauen



Vorausschauend denken ist eine Eigenschaft, die einem bei der Arbeit mit Pferden nur zugute kommen kann. Wenn wir beispielsweise mit unserem Pferd arbeiten, und merken,  irgendetwas könnte eine unvorgesehene Reaktion unseres Pferdes auslösen, beschäftigen Sie sich mit diesem "Störfaktor" im Vorfeld und ziehen Sie dadurch den Vorteil auf Ihre Seite. 

Nehmen wir beispielsweise an, Sie kommen einen abfälligen Pfad entlang, an dessen tiefstem Punkt befindet sich eine große Pfütze. Bevor Sie an der Pfütze angelangt sind, wägen Sie die Möglichkeiten ab, wie ein  Pferd reagieren könnte:

- es geht durch die Pfütze 
- es springt über die Pfütze
- es läuft um die Pfütze herum
- es dreht auf der Hinterhand und läuft in die andere Richtung
- es bleibt stehen

Sie, in der Führungsposition, haben folgende Möglichkeiten:

- Sie bereiten sich auf die Pfütze vor und unterstützen Ihr Pferd ruhig in dieser Situation 
- Sie werden nervös und machen die ganze Sache größer als sie eigentlich ist
- Sie lassen das Pferd um die Pfütze herumlaufen
- Sie überlassen dem Pferd die Entscheidung

Natürlich wissen Sie so gut wie ich, dass die Situation korrekt gemeistert wurde, wenn das Pferd mit Ihrer ruhigen Unterstützung durch die Pfütze gegangen ist. Aber, wir haben ja ein Pferd und kein Auto, von dem wir nicht wissen, wie seine Reaktion zu der ganzen Situation sein wird. Hier kommt nun die Fähigkeit zum Tragen, sich über eventuelle Reaktionen des Pferdes durch Umweltfaktoren bewusst zu sein, diese früh zu erkennen und so auf ruhige Art und Weise auf die Situation vorbereitet zu sein. Würde man mit einem jungen Pferd an solche Situationen unvorbereitet herangehen, müsste  innerhalb von Sekundenbruchteilen eine Entscheidung treffen, das bedeutet Stress, der sich auch auf das Pferd überträgt. Gehen Sie stattdessen ruhig und konsequent vor. Sie haben sich vorgenommen durch die Pfütze zu gehen, also tun Sie genau das. Wenn Sie es schaffen ruhig zu bleiben und den Ausweichmanövern Ihres Pferdes entgegenwirken, die Sie ja vorausgesehen haben, wird Ihr Pferd schnell merken, dass es nur den einen Weg durch die Pfütze gibt. 

Bleiben Sie während der ganzen Situation ruhig und, vor allen Dingen, glauben Sie an sich und Ihr Pferd. Wenn Sie selbst Angst vor der Reaktion Ihres Pferdes haben, überträgt sich diese Angst auf Ihr Pferd. Bleiben Sie auf alle Fälle ruhig und bestimmt, und vermeiden Sie unbedingt emotionale Wutausbrüche gegenüber Ihrem Pferd. 

Üben Sie das Zusammenspiel Ihres Pferd-Reiter-Teams gezielt in Situationen, bei denen Sie wissen, Ihr Pferd reagiert ängstlich. Ein Pferd hat beispielsweise Angst vor Schafen. Wenn ich darum weiß, sollte ich mit meinem Pferd daran arbeiten. Gehen Sie mit einem solchen Pferd gezielt zu Schafen und zeigen Ihm ruhig, dass es sich vor Schafen nicht fürchten muss. Bleiben Sie dabei aber immer ruhig! Angst, Unsicherheit oder Nervosität spürt Ihr Pferd. 

Denken Sie also über jede schwierige Situation nach, bevor Sie sich mit Ihrem Pferd hineinmanövriert haben. Wenn Sie sich vorher über die Möglichkeiten Ihrer Reaktionen und der Ihres Pferdes im Klaren sind,  gelingt es Ihnen Ruhe, Ausgeglichenheit und somit ein unbelastetes Verhältnis zwischen Ihrem Pferd und Ihnen zu bewahren.

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