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Geeignetheit
Um die grundsätzliche
Geeignetheit von Strafe als Erziehungsmethode im Pferdetraining zu
beurteilen, genügt ein Blick auf das Verhalten von Pferden
untereinander: Die Rangordnung wird geklärt durch Androhen, Beißen und
Schlagen. Jeder, der sein Pferd in einer Herde hält, kennt die Folgen
solcher Auseinandersetzungen. Dabei herrscht keinesfalls notwendig eine
Form von Gerechtigkeit: Es gibt auch Pferde, die ihre Artgenossen
regelrecht tyrannisieren. Körperliche Strafe ist also grundsätzlich
geeignet, beim Pferd eine bestimmte Reaktion hervorzurufen.
Problematisch ist aber die korrekte Anwendung von Strafe:
Anwendung
Notwendige
Strafen müssen ohne jede Leidenschaft und Erregung erteilt werden und
schon beim geringsten Entgegenkommen des Pferdes mit Lob vertauscht
werden. Strafe darf also nicht als Vergeltung, Rache oder aus Wut
eingesetzt werden. Es würde sonst die Gefahr bestehen, dass man die
Beherrschung verliert und die Situation aus der Hand gibt; zudem kann
kein Pferd diese menschlichen Beweggründe nachvollziehen, es geht ihm nämlich
ausschließlich um die Frage, wer in der konkreten Situation die
Oberhand behält. Strafe darf also nur strategisch angewendet werden.
Sie muss außerdem mit einer erhöhten Intensität ausgeführt werden.
Viele Reiter machen den Fehler, dass sie gewissermaßen erst vorsichtig
anfragen, wie das Pferd die Strafe aufnehmen wird. Hierdurch geben sie
ihm aber Zeit zum Überlegen, wodurch sie seine Widerstandskraft
steigern und die Auseinandersetzung oft bis zur eigenen Erschöpfung in
die Länge ziehen. Fataler noch: Wendet man zu Beginn schwache Strafe an
und steigert langsam die Intensität, dann trainiert man sein Pferd
dahingehend, dass es sich der Strafe anpasst. Dabei meint hohe Intensität
keinesfalls Brutalität: Es geht lediglich darum, dass Pferd zu
beeindrucken. So kann es vom Boden aus mit Nachdruck weggejagt werden;
vom Sattel aus kann ein lauter Schlag mit den Zügelenden auf den Sattel
mehr bewirken als körperlicher Schmerz. Beim Ausmaß der Strafe muss
natürlich auch das Wesen des jeweiligen Pferdes berücksichtigt werden.
Nicht angewendet werden darf Strafe, wenn das Pferd ein komplexes Manöver
erlernen soll. In fast allen Fällen wird es sich hier nicht um
Widersetzlichkeiten handeln sondern um Unverständnis. Dies gilt
insbesondere für junge Pferde. Das ständige Wiederholen einzelner Manöver
(„Missbrauchsgefahr“ besteht v.a. bei Reiningelementen !) aus
Unzufriedenheit des Reiters macht mit der Zeit jedes Pferd sauer. Die
Qualität der Ausführung lässt deutlich nach. Problematisch erscheint
auch das Strafen des Pferdes im Manöver: Zieht der Reiter während des
Sliding Stops am Zügel, dann bestraft er das Pferd während es das tut,
was der Reiter von ihm verlangt. Strafe darf nur dann angewendet werden,
wenn das Verhalten des Pferdes nicht auf Unverständnis sondern auf
Widersetzlichkeit beruht. Ursache können der Herdentrieb und der Drang
nach dem Stall oder dem Ausgang des Reitgeländes sein. Oft ist aber die
fehlerhafte Einwirkungen des Reiters und die ungenügende Vorbereitung
des Pferdes ursächlich für das unerwünschte Verhalten. Dann müssen
diese Fehlerquellen beseitigt werden, Bestrafung wäre hier fehl am
Platz. Auch die zeitliche Komponente spielt bei der Strafe eine
entscheidende Rolle. Strafe muss unbedingt unmittelbar auf das unerwünschte
Verhalten erfolgen, damit das Pferd eine Verknüpfung zu seinem
Verhalten herstellen kann. Erfolgt die Strafe zu spät, dann ist sie
nicht wirksam. Lässt man zu viel Zeit verstreichen, dann muss die
Strafe unterbleiben. Um effektiv zu sein, muss Strafe kontinuierlich
geplant sein. Ein bestimmtes Verhalten muss also immer bestraft werden.
Gefahren
Die korrekte
Anwendung von Strafe ist also eine enorme Herausforderung. Selbst bei
richtiger Anwendung besteht die Gefahr, dass das unterdrückte Verhalten
durch ein ebenso schlimmes oder gar schlimmeres ersetzt wird. Zudem
besteht die Tendenz, dass Bestrafung aggressives Verhalten im
allgemeinen bei Mensch und Tier verstärkt. Die eigentliche Problematik
der Strafe ist aber folgende: Selbst schlecht angewendete Bestrafung
kann ein bestimmtes Verhalten für kurze Zeit effektiv unterdrücken.
Probleme durch schlechte Bestrafung zeigen sich selten sofort und sind
langlebig. Viele Trainer befinden sich in dem Dilemma, dass sie Pferde für
wenige Monate ins Training bekommen und kurzfristige Erfolge nachweisen
müssen. Oder das Kundenpferd soll vor dem Turnier den letzten Schliff
bekommen. Die Methoden einiger Trainer sind damit voraussehbar. Die
langlebigen Probleme, die endlich aus der Bestrafung resultieren, werden
oft fehlgedeutet und nicht in ein kausales Verhältnis mit den zurückliegenden
Ereignissen gesetzt. Die Heimtücke der Bestrafung besteht also auch in
ihrer bestärkenden Wirkung und den Anstrengungen, die es bedarf, um
andere Lösungsmöglichkeiten und Strategien zu entwickeln.
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