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Rückenprobleme
beim Pferd
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Um die Entstehung und die Ursachen von Rückenproblemen sowie deren Behandlung und auch Vermeidung zu verstehen, muß man sich zunächst etwas mit der Anatomie des Pferderückens auseinandersetzen. Vom Kopf bis zum Schweif wird der gesamte Rücken über die Wirbelsäule getragen und gestützt; zusätzlich sind an der Wirbelsäule noch die Beine gewissermaßen „aufgehängt“. Die Wirbelsäule wird stabilisiert durch die sie umgebende Muskulatur, unterstützt von einigen wichtigen Bändern. Das wichtigste Band, das Ligamentum nuchae, setzt am Nacken an und spannt sich wie eine Sehne auf dem Bogen über den gesamten Rücken bis zum Schweif.
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Abb.: Wirbelsäule mit Ligamenti |
Brustwirbel |
Halswirbel |
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Des Weiteren wird die Wirbelsäule von der Muskulatur gestützt, wobei der wichtigste Muskel, der Musculus longissimus dorsi, in etwa den gleichen Verlauf hat wie das Ligamentum nuchae. Es gibt natürlich noch weitere, schräg dazu verlaufende Muskeln, die die Anbindung z.B. an die Rippen herstellen. Wirklich entscheidend ist jedoch dieser große Muskelstrang, der vom Genick bis zum Schweif verläuft wie das oben beschriebene Band und zusammen mit diesem Band auch die Haupttragearbeit leistet. |
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| Wenn wir uns nun mit diesem Wissen den Pferderücken vorstellen, in dessen Mitte der Reiter Platz nimmt, dann sehen wir, welche Haltearbeit die Rückenmuskulatur leisten muß, um nicht wie eine Hängematte durchzuhängen. | ||
| Nur durch systematischen Aufbau können wir die Rückenmuskulatur so stärken, dass sie auch über längere Zeit im Stande ist, den Reiter nicht nur zu tragen, sondern losgelassen zu tragen - denn das ist es doch, was wir anstreben, ein losgelassenes Pferd mit schwingendem Rücken. | ||
| Nun ist es keinesfalls so, dass nur der Dressurreiter sich Gedanken über einen schwingenden Rücken machen müßte; jegliche schwungvolle Fortbewegung des Pferdes, egal in welcher Disziplin, erfordert einen losgelassenen, kräftigen Rücken; auch und gerade das Springpferd zeigt in seiner Manier ganz deutlich, ob es mit aufgewölbtem Rücken in schöner Bascule oder mit weggedrücktem Rücken unter Schmerzen - und dann auch mit verminderter Leistung! - seinen Parcours bewältigt. Gerade auch das Westernpferd muß bei Stops und rasanten Wendungen weit mit der Hinterhand untersetzen, was nur mit Hilfe einer exzellenten Rückenmuskulatur möglich ist. Auch bei Trabrennpferden zeigen sich Rückenprobleme in verminderter Leistung und v.a. in häufigem„Anspringen“, d.h. Wechseln in den Galopp, was zur Disqualifikation führt. Bei den Gangpferden treten häufig Rückenprobleme auf, da z.B. das Tölten nur in einer recht unphysiologischen Haltung mit hoher Kopfhaltung und weggedrücktem Rücken möglich ist, hier muß durch gezielte Arbeit gegengesteuert werden, so dass das Pferd in der Prüfung für kurze Zeit diese Haltung gut tolerieren und ausgleichen kann. | ||
| Wie äußern sich Rückenprobleme ? | ||
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„Rückenprobleme“ ist ein weit gefaßter Begriff, hinter dem sich die verschiedensten Ursachen verbergen können. Meist fällt zunächst ein Leistungsabfall des Pferdes auf, der Vorwärtsdrang läßt nach, die Hinterhand ist wenig aktiv, der Reiter kommt nicht zum Sitzen. Steigerung ist dann z.B. Abwehrverhalten beim Satteln, Sattelzwang, schließlich Widersetzlichkeit beim Reiten bis hin zum Steigen. Oft äußert sich das Problem aber weniger auffällig, das Pferd ist zu einer Seite steifer, es will sich nicht rückwärtsrichten lassen, es zeigt insbesondere in Wendungen „Zügellahmheit“, Schwung, Frische und Elastizität gehen verloren, es treten wechselnde Taktfehler auf. Manche Rückenerkrankungen haben sogar einen dramatischen Verlauf – von heute auf morgen! |
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| Welche Ursachen liegen Rückenproblemen zugrunde? | ||
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Rückenprobleme können einerseits durch Erkrankungen der Wirbelsäule bzw. einzelner Wirbel, andererseits durch Erkrankungen der Muskulatur entstehen. Erkrankungen der Wirbelsäule Erkrankungen der Wirbelsäule sind z.B. Frakturen einzelner Wirbel; diesem Krankheitsbild geht in der Regel ein traumatisches Geschehen, sprich ein Unfall voraus. |
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Abb.: Halswirbelfraktur |
Bei Frakturen im Bereich der Halswirbelsäule zeigt das Pferd hochgradige Schmerzen, der Hals wird je nach Fraktur gestreckt nach oben oder gesenkt nach unten gehalten oder es kommt zur Verkrümmung und Schiefhaltung. Des Weiteren können je nachdem, ob Rückenmark oder abgehende Nerven mit betroffen sind, Lähmungserscheinungen, Ataxien bis hin zu Zusammenbrechen der Patienten auftreten. Bei minder schweren Fällen von Wirbelfrakturen besteht eine Heilungschance; der Patient wird vom Tierarzt mit schmerz- und entzündungslindernden Mitteln unterstützt; ein operativer Eingriff an der Halswirbelsäule ist - wenn auch schwierig- so doch erfolgversprechend. |
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Frakturen im Bereich der Brust- und Lendenwirbelsäule haben fast immer so schwerwiegende Auswirkungen, dass die Prognose sehr schlecht ist. Anders allerdings bei Frakturen der Dornfortsätze, was v.a. im Bereich der Brustwirbelsäule ( Widerrist, Sattellage ) infolge von Stürzen vorkommen kann. |
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Die betroffene Stelle ist schmerzhaft, geschwollen und warm, eventuell können die Bruchstücke getastet werden; wenn nur ein Dornfortsatz betroffen ist, reagiert das Pferd oft „nur“ wie bei entzündeter Muskulatur; eine Röntgenkontrolle empfiehlt sich deshalb immer. In manchen Fällen stabilisieren sich die Dornfortsätze selbst wieder durch Bildung einer relativ belastbaren Gewebsverbindung zwischen den Frakturstücken. Dies dauert allerdings in der Regel 6 bis 12 Monate. In manchen Fällen verschieben sich die frakturierten Stücke aber so sehr, dass eine neue, stabile Verbindung nicht zustande kommt. Hier kann eine operative Entfernung der Bruchstücke erfolgen und die Heilungsaussichten sind duchaus gut. |
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Abb.: Fraktur des Dornfortsatzes |
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Eine weitere Erkrankung im Bereich der Brustwirbelsäule ist das sogenannte Phänomen der „Kissing Spines“. Hier kommt es durch zu frühe oder zu starke Belastung des Pferdes dazu, dass sich die Wirbelsäule im Bereich der Sattellage nach unten durchdrückt und so die Dornfortsätze der Brustwirbel in Berührung kommen. An diesen Stellen kommt es zur Entzündung, was sehr schmerzhaft ist, bei chronischem Weiterbestehen der Situation kommt es zu knöchernen Verbindungen zwischen den Dornfortsätzen; die Wirbelsäule ist dann in ihrer Beweglichkeit stark eingeschränkt. Außerdem führt das Entzündungsgeschehen zu starken Schmerzen und extremen Muskelverspannungen. Rechtzeitig erkannt, kann dem Pferd zunächst durch entzündungshemmende und schmerzlindernde Medikamente geholfen werden; dann jedoch muß eine physiotherapeutische Behandlung erfolgen, um die Muskulatur erst zu lockern, dann zu dehnen, damit sich die Wirbelsäule wieder physiologisch bewegen kann. Ganz wichtig ist es danach bei solchen Patienten, die Muskulatur im Rücken gezielt aufzubauen und bei der weiteren Nutzung als Reitpferd stets darauf zu achten, dass der Rücken des Pferdes aufgewölbt wird und schwingt. Solche Patienten benötigen oft regelmäßige Unterstützung, z.B. Magnetfeldtherapie oder Akupunktur. |
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Weniger dramatisch, ja sogar oft subklinisch äußern sich geringgradige Subluxationen im Bereich der Wirbelsäule. Hier fällt die verspannte und schmerzhafte Rückenmuskulatur auf, da das Pferd versucht, die schmerzhafte Bewegung durch Anspannung der Muskeln zu vermeiden. In einem solchen Fall muß meist zunächst die Muskulatur behandelt werden, ist diese gelockert, kann nun gezielt die Wirbelsäule untersucht werden. Hier ist der Osteotherapeut oder Chiropraktiker gefragt, der durch gezielte passive Bewegungen der Extremitäten in Einbeziehung der Wirbelsäule die Blockade beheben kann. Im Anschluß empfiehlt sich weitere physiotherapeutische Betreuung des Patienten zur Regeneration der Muskulatur, um Rückfällen vorzubeugen; auch die Akupunktur hat sich hier bewährt. |
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Ein gerade bei
Westernpferden relativ häufig auftretendes Problem infolge des Reinings
ist die Subluxation des
Kreuzbeindarmbeingelenkes, welches die Wirbelsäule mit dem Becken
verbindet. |
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| Erkrankungen der Muskulatur | ||
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Es gibt Muskelentzündungen, die einerseits durch ein Trauma, wie einen Schlag ausgelöst werden können, es können aber auch manchmal Bakterien die Ursache sein. Der betroffene Bereich ist geschwollen, warm und schmerzhaft. Hier ist die physikalische Therapie am besten, also Massage, Akupressur und Akupunktur sowie Magnetfeldtherapie. Besonders gute Erfolge erzielt man mit einer Softlaserbehandlung, die sowohl die Schmerzhaftigkeit deutlich bessert, als auch einen beschleunigten Rückgang der Entzündung bewirkt. Außerdem ist eine solche Behandlung dopingfrei, was während der Turniersaison durchaus eine Rolle spielt. |
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Jeder Reiter kennt das Schreckgespenst „Kreuzverschlag“, auch das eine Erkrankung der Muskulatur. Zum Glück kommt der klassische Kreuzverschlag ( auch Feiertagskrankheit oder monday morning sickness )heute kaum noch vor, da inzwischen jeder weiß, dass ein Pferd regelmäßig bewegt und die Kraftfutterration der Arbeit angepaßt werden muß. Sollte ein Kreuzverschlag doch einmal auftreten, weil ein Pferd über Nacht ausgebüxt ist und sich über den Haferwagen hergemacht hat, muß unverzüglich der Tierarzt gerufen werden, denn es handelt sich um eine ernste, wenn nicht entsprechend therapierte, auch lebensbedrohliche Erkrankung! Auch hier können in der Rekonvaleszenz die alternativen Methoden wie Softlaser und vor allem Magnetfeldtherapie die Heilung deutlich beschleunigen. |
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Die häufigtsen muskulären Probleme beim Reitpferd sind jedoch solche, die durch den Reiterverursacht sind. Auch ein schlecht sitzender Sattel kann enorme Probleme auslösen. Pferde, die ständig die Rückenmuskulatur wegen eines schlecht sitzenden Reiters oder falsch angepassten Sattels anspannen müssen, verkrampfen über kurz oder lang die Rückenmuskulatur. Bemerkt der Reiter dies nicht oder kann er es nicht ausgleichen, indem er sein Pferd wieder in die Tiefe über den Rücken arbeitet, entsteht ein Teufelskreis: Schlecht sitzender Reiter - verkrampfte Muskulatur - Reiter kann noch weniger sitzen - Pferd verspannt den Rücken noch mehr .... |
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Ein ähnliches Resultat entsteht, wenn der Reiter versucht, das Pferd in eine bestimmte Haltung zu zwingen ( z.B. Aufrichtung des Dressurpferdes ), ohne dies durch korrekte Ausbildung vorzubereiten. Ganz allgemein kann man sagen, dass jegliche Überforderung des Pferdes - im Übrigen auch eine psychische! - zur Verspannung der Rückenmuskulatur führt und erhebliche Probleme verursachen kann, wenn der Reiter dies nicht bemerkt und sein Pferd entsprechend gymnastiziert, damit es den gestellten Anforderungen gewachsen ist. |
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Ist das Rückenproblem, sprich die Verspannung und oft auch schon Entzündung der Muskulatur erst einmal aufgetreten, tut sich auch ein guter und einfühlsamer Reiter schwer, diesen Teufelskreis zu durchbrechen, insbesondere wenn das Training nicht drastisch zurückgefahren werden soll, weil man ja mitten in der Saison steckt.... |
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Hier kann der Tierarzt sehr gut helfen, denn jetzt muß zunächst der Teufelskreis - Schmerz - Verspannung - mehr Schmerz - noch mehr Verspannung - erst einmal durchbrochen werden, dann kann die Arbeit wieder aufgenommen werden. |
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Im Laufe der Jahre habe ich eine spezielle Rückentherapie entwickelt, so daß ich in den seltensten Fällen Medikamente einsetze (auch zur Vermeidung von Wartezeiten und Doping!), sondern stattdessen insbesondere mit Softlasertherapie und Akupunktur in Verbindung mit Magnetfeldtherapie arbeite. Schon nach der ersten Behandlung ist in der Regel eine enorme Verbesserung zu spüren, der Reiter kann sein Pferd wieder arbeiten, wobei meist - zumindest für einige Tage - die Reitweise etwas umgestellt werden muß. Erst wenn die Rückenmuskulatur nach der Behandlung wieder gestärkt und entsprechend den gewünschten Anforderungen aufgebaut ist, kann das Training mit Erfolg fortgeführt werden. Deshalb gehört für mich zu einer Rückenbehandlung erst einmal eine genaue Untersuchung dazu, die außer der Untersuchung des Pferdes in Ruhe wie in allen Gangarten auch eine Sattelanprobe und oft auch ein Vorreiten des Pferdes beinhaltet. |
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Gemeinsam sollten so Reiter und Tierarzt das Problem erarbeiten und erkennen, um dann auch gemeinsam eine erfolgreiche Therapie durchführen zu können. Ich versuche immer, während der Therapie - meist zwischen drei und fünf Behandlungen - ständig Rücksprache mit dem Reiter zu halten, um so den Heilungsverlauf zu beobachten und den Therapieerfolg besser beurteilen zu können. |
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Friedrike Laube, 2004 |
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